[FAQ] Klassische Musik für Einsteiger - only German available atm

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(Anmerkung vom Webadmin: Danke an TanteLuel für diese Arbeit! - Zum passenden Forum zu dieser "FAQ" geht es HIER entlang. Dort könnt Ihr über das Thema diskutieren, Euch austauschen oder weitere Fragen einbringen. Das Tantchen steht Euch dort gern zur Verfügungn!)

Hier soll es nicht um trockene Musiktheorie oder Musikgeschichte gehen - es sollen die "einfachen" Fragen geklärt werden, die einen beschäftigen, wenn man in den ersten klassischen Konzerten sitzt :-) Natürlich gehört hier auch alles weitere Wissenswerte rein :-)

Achja, alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit, denn auch das Klassiktantchen macht mal Fehler ;-)

Zuerst einmal die gaaanz wichtigen Fragen vor dem ersten Klassik-Konzert :-)

Lohnt sich das Klassische Konzert überhaupt, wenn ich bisher nur "Virtuoso" und "Encore" gehört habe? Wird mir das Konzert Spaß machen?

Ganz sicher! Klassische Musik ist aufregend, überraschend und im Klassik-Konzert ist es eigentlich nie langweilig.
Allerdings wird einem nicht jedes Stück klassische Musik von Anfang an gefallen und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Zunächst einmal sind manche Stücke "zugänglicher" als andere, d.h. sie haben wunderschöne Melodien, die man sofort mitsummen kann, wohingegen andere beim ersten Hören mehr danach klingen, als würde eine Horde wild gewordener Katzen sich balgen. Es gibt einfach kein Richtig und kein Falsch bei klassischer Musik, sie soll ja schließlich Spaß machen, wenn man ihr zuhört. Das "Problem" besteht nur darin, herauszufinden, was einem persönlich Spaß macht.
Es empfiehlt sich also immer bereits VOR dem Kartenkauf einen Blick auf das Konzertprogramm zu werfen und sich mit den Stücken auseinanderzusetzen. Mal Google anwerfen, mal in eine CD-Aufnahme reinhören .. ein wenig vorbereitet macht das Konzert gleich doppelt so viel Spaß und erspart einem dann auch ggf. Enttäuschungen. Ihr fahrt ja auch nicht einfach so blind drauf los in den Urlaub, oder? :-) Wenn's das allererste Mal ist im klassischen Konzert, empfiehlt es sich daher, einfach die besondere Atmosphäre auf sich wirken lassen, entspannt auf seinem Platz zu sitzen, genau zuzuhören und sich in die Musik fallen zu lassen. Auch das Beobachten der einzelnen Musiker im Orchester lohnt sich, der Dirigent ist auch immer einen Blick wert und der Solist in unserem Falle erst recht :-)

Was zieh ich denn bloß an im Klassischen Konzert?

Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung ist formale Abendkleidung - wie Smoking oder Abendkleid - bei Klassischen Konzerten nicht erforderlich, außer es wird ausdrücklich darum gebeten.
Man sollte auf jeden Fall bequeme Kleidung wählen, in der man sich wohl fühlt. Es darf gern auch etwas chicer sein - lasst also die zerrissnen Jeans und die 10 Jahre alten Turnschuhe zu Hause ;-)

Was erwartet mich dann eigentlich im Klassischen Konzert?

Wer am Abend das hell erleuchtete Foyer des Veranstaltungshauses betritt, den umfängt eine gewisse Atmosphäre von Feierlichkeit. Elegant gekleidete Besucher schlendern durch die Gegend, verhaltene oder erfreute Begrüßungen und Gespräche dringen ans Ohr. Mancher Gast hat ein Glas Wein oder Sekt in der Hand, andere sind in das Programmheft vertieft. Alle gemeinsam genießen die von Erwartung geprägte Stimmung; allmählich lässt man Beruf und Alltag hinter sich und wendet seine Aufmerksamkeit dem bevorstehenden Konzert zu.

Der Eindruck in eine fremde Welt vorzudringen, verstärkt sich wahrscheinlich beim Eintritt in den Konzertsaal. In gedämpftem Licht öffnet sich eine weite Landschaft aus Balkonen, übereinander gesetzten Hängen, schrägen Flächen und gegeneinander gestellten Rängen. Die Atmosphäre gebietet Langsamkeit, während man auf der Suche nach seinem Platz die Architektur erkundet. Auf der Bühne stehen die Notenpulte und Stühle, angeordnet für die Besetzung des ersten Musikstücks. Die schwersten Instrumente (Pauken und allerlei Schlagwerk, Harfen, Flügel und die Kontrabässe) sind bereitgestellt. Eventuell sind vereinzelt Musiker auf der Bühne und spielen sich ein und probieren vorsichtig ein paar schwierige Passagen der Stücke.

Fremdartig mag euch vielleicht der gemessene Auftritt der Musiker im Frack oder Anzug erscheinen, die sich unter Beifall dann hoffentlich pünktlich auf ihren Plätzen einrichten. Die Reihe der nun folgenden Rituale ist auch etwas wundersam für den Erst-Konzertgänger. Da sitzt zwar schon ein Haufen Musiker, aber da vorne rechts ist noch ein Stuhl frei.
Mit Beifall wird der so genannte Konzertmeister begrüßt, der die Bühne meist erst betritt, wenn der Rest des Orchesters sitzt und zur Ruhe gekommen ist. Bevor der Konzertmeister Platz auf dem freien Stuhl vorne rechts nimmt, veranlasst er das Stimmen der Instrumente. Dafür gibt der Solo-Oboist den Kammerton a vor, damit alle Instrumente gleich gestimmt sind und nicht alles irgendwie schräg und schief klingt. Mittlerweile ist es zumindest in Europa oft so, dass der Konzertmeister nicht mehr separat auftritt sondern gemeinsam mit den anderen Orchestermusikern die Bühne betritt. Der dritte Beifall gilt dem Dirigenten, der gelegentlich ein wenig auf sich warten lässt. Nach dem Handschlag zwischen Konzertmeister und Dirigent, der Verbeugung des Dirigenten zum Publikum hin wird die Beleuchtung im Saal gedämpft, und nach einem kurzen Augenblick der Konzentration, der zur Sammlung einlädt und in Erwartungsspannung versetzt, beginnt die Musik, sich im Raum zu entfalten … und nimmt alle mit auf die Reise durch das erste Stück.

Meist besteht das Konzertprogramm in unserem David-Falle aus verschiedenen Parts. Als erstes Werk gibt es oft eine Ouvertüre oder ein anderes kurzes Orchesterstück zu hören.
Danach folgt der Solopart und der Solist betritt unter Beifall die Bühne - im Solopart begleitet das Orchester den Solisten, der mit seinem Instrument im Mittelpunkt steht. Je nach Auswahl des Stückes kann die zeitliche Dauer dieses Soloparts variieren; meist dauert er aber mindestens etwa 30 Minuten. Es ist durchaus nicht unbedingt üblich, dass der Solist nach seinem eigentlichen Programm noch Zugaben gibt.
Dem Solopart folgt meist eine etwa 20minütige Pause, in der Orchester und Zuschauer den Saal verlassen, um all die Dinge zu tun, die man halt in Pausen so macht ;-)
Nach der Pause spielt das Orchester meist noch eine Symphonie, also ein längeres Orchesterstück, welches meist in 4 Abschnitte, genannt Sätze, unterteilt ist.
Nach der Symphonie ist das Konzert meistens beendet, außer man bewegt das Orchester nebst Dirigenten durch frenetischen Beifall noch zu einer oder gar mehreren Zugaben.

Nach Beendigung des Konzerts liegen dann meistens 2-3 Stunden puren Musikerlebnisses hinter euch und ihr werdet im Foyer wieder auf all die anderen Zuschauer treffen, die sich nun meist angeregt über das eben Erlebte unterhalten, gemeinsam etwas trinken oder sich auf den Heimweg vorbereiten. Nehmt all eure neu gewonnenen Eindrücke mit nach Hause, lasst sie sacken, schlaft mindestens eine Nacht darüber … und ihr könntet wahrscheinlich direkt am nächsten Abend schon wieder ins Konzert gehen ;-)

Darf man zwischen den Sätzen/Stücken im Konzert eigentlich klatschen?

Hier scheiden sich die Geister und es gibt keine eindeutige Antwort oder Regel.
Zu der Zeit als die meisten klassischen Stücke komponiert wurden, war das Klatschen zwischen den Sätzen vollkommen normal und sogar gewünscht. Es wurde sogar während der Musik geklatscht, wenn z.B. ein kurzes Instrumentensolo besonders gelungen war. Erst Ende des 19. Jahrhundert hat sich das Musikverständnis dahingehend gewendet, dass man das Werk am Stück hören und dann erst klatschen soll.
Wenn man also das erste Mal im klassischen Konzert sitzt, ist es schon etwas befremdlich, wenn niemand klatscht, wenn die Musik aufhört. Hier also ein paar Tipps, wie man erkennt, dass die Musik ganz und gar vorbei ist und man endlich seine Begeisterung kundtun darf, ohne schief von den anderen 1864 Besuchern angeguckt zu werden:

  • Der Dirigent nimmt seine Hände herunter und lässt sie dort.
  • Alle Musiker auf der Bühne nehmen ihre Instrumente herunter.
  • Alle Leute um einen herum fangen an zu klatschen ;-)

Es empfiehlt sich außerdem einen Blick ins Programmheft zu werfen, um zu schauen, wie viele Sätze das gespielte Stück hat. Zwischen den einzelnen Sätzen gibt es dann zwar ein paar Sekunden Stille, aber das Konzert ist erst zu Ende, wenn der Dirigent die Hände gesenkt hat ;-)
Und selbst wenn ihr mal "falsch" klatscht: Nehmt es mit Humor - das ist nicht der Untergang der Welt! Immerhin ist es schlicht ein Kompliment an Musik und Musiker, wenn ein Werk solche Begeisterung auslöst, dass der Applaus "ausbricht". :-)
Übrigens applaudierte bei der Uraufführung von Beethovens Siebter Symphonie 1813 das Publikum nach dem zweiten Satz so begeistert, dass man diesen Satz direkt gleich noch einmal spielte, bevor man mit der Symphonie fortfuhr. Ob den Komponisten damals ein still sitzendes Publikum, wie man es heute kennt, wirklich mehr gefreut hätte?

Was ist mit sonstigen Geräuschen - Husten, Handys, usw.?

Am besten schaltet man Handys und ähnliches komplett aus, bevor man den Konzertsaal betritt. Das Klingeln (und Gespräche erst recht *g*) ist für den Dirigenten, die Musiker und das übrige Publikum sehr störend - auch der Vibrationsalarm kann sehr "laut" sein, wenn die Musik grade sehr leise ist. Husten ist ein sehr häufiges "Problem", das sich aber nun mal nicht abstellen lässt wie ein Handy. Empfehlung hier: immer ein paar Hustenbonbons schnell griffbereit in der Tasche haben. Ein Taschentuch kann Husten auch um einiges dämpfen und ist von daher auch sehr empfehlenswert im "Handgepäck".

Kann ich meine Kinder mitbringen?

Das kommt zum einen natürlich auf die Kinder an, aber generell würde ich persönlich sagen, ist es nicht empfehlenswert, Kinder unter sieben Jahren in normale Klassische Konzerte mitzunehmen, da diese meist zu lang für Kinder sind. Wer sitzt schon gern als 5jähriger so lang so ruhig rum? Es empfiehlt sich für ungestörten Musikgenuss also eher der Babysitter.
Wer seine Kinder gerne an Klassische Musik heranführen will, sollte nach speziellen Kinder-Konzerten Ausschau halten. Die gibt es mittlerweile eigentlich relativ regelmäßig in jeder größeren Stadt :-)


Ich denk, dass waren erst mal alle akut wichtigen Fragen vor dem ersten Klassik-Konzert :-) Bei Bedarf wird natürlich noch erweitert :-)

Allgemeine Fragen zu klassischer Musik

Was ist eigentlich "Klassische Musik"?

Auch wenn es in der Umgangssprache langsam ausstirbt, ist jenes Wort immer noch zu hören, das etwas Schönes oder Beeindruckendes bezeichnet: "Klasse!". Im eigentlichen Sinne bedeutet "klassisch" vollkommen, ausgewogen, formvollendet, und auch wenn der Ausruf "Klasse!" das heute nicht mehr genau so meint, schwingt diese Idee der inneren und äußeren Perfektion doch noch mit.
In der Musikgeschichte würde der Begriff "Klassische Musik" streng genommen nur für die Musik der Epoche der Frühklassik und der Wiener Klassik gelten, also etwa von 1730 bis 1830, bis zum Tod von Franz Schubert und Ludwig van Beethoven.

Da diese strenge Eingrenzung sich aber nie im allgemeinen Bewusstsein durchgesetzt hat, versteht man heute unter Klassik:

  • Renaissancemusik (15. bis 16 Jahrhundert)
  • Barockmusik (ca. 1600 bis 1750)
  • Frühklassik, Wiener Klassik (ca. 1730 bis 1830)
  • Musik der Romantik (19. Jahrhundert)
  • Neue Musik (20. und 21. Jahrhundert)

Unter "Klassische Musik" fällt also alles vom Bach-Konzert bis zur Brahms-Rhapsodie, von der Mozart-Sinfonie bis zum Strawinsky-Ballett :-)

Bis ins 19. Jahrhundert wurden keine großen Unterschiede zwischen "populärer" und "klassischer" Musik oder U-(Unterhaltungs-)Musik und E-(Ernster) Musik gemacht. Damals war das alles einfach nur Musik und die Leute liebten die Musik. Man ging zur Aufführung des neuesten Symphonie, eines Konzerts, Liederzyklus oder einer Oper so, wie wir heute zu einem Rockkonzert gehen - einfach, um Spaß zu haben! Man trug Freizeitkleidung, brachte sich Essen und Trinken mit und klatsche und jubelte sogar während des laufenden Konzerts, wenn einem danach war. Klassische Musik war die damalige Popmusik.

Was ist eigentlich ein Orchester?

Wer danach fragt, was ein Orchester ist, wird aller Wahrscheinlichkeit nach mehrere unterschiedliche Antworten bekommen.

Zuerst einmal leitet sich das Wort Orchester vom griechischen Wort orchestra ab. Orchestra bedeutet Tanzplatz und im antiken Griechenland war damit der halbrunde Raum zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum des Amphitheaters, auf dem die Tänze aufgeführt wurden, gemeint. Eine andere Wurzel des Wortes Orchester ist das altgriechische Verb orcheisthai - sich bewegen, regen oder erregen, hüpfen, tanzen. Denn das ist es ja, was die Musik oder die musizierenden Menschen tun und bewirken: Mit ihren vielfältigen Möglichkeiten der klanglichen, rhythmischen, melodischen und mehrstimmigen Bewegungen bewegt die Musik die Menschen - ihre Körper, ihre Gefühle und ihre Gedanken. Deswegen sagt so mancher Zuhörer nach einem Konzert, er sei "bewegt" worden ;-)

Seit dem 18. Jahrhundert steht die Bezeichnung Orchester für eine kleinere oder größere Gruppe von Instrumentalisten, die in einer bestimmten Weise und Ordnung gemeinsam musizieren und in der Regel unter der Leitung eines Dirigenten steht.

Ein Orchester ist aber auch eine Institution, eine Einrichtung öffentlicher oder privater Art, mit einem eigenen Namen, die von einem Träger oder einer Trägerschaft gegründet worden ist, die sie fördert und kontrolliert.

Schließlich kann ein Orchester auch als eine Art Unternehmen beschrieben werden. Als solches muss es finanziert und wirtschaftlich geführt werden. Wie jedes andere Unternehmen, etwa eine Schuhfabrik oder die städtischen Verkehrsbetriebe, braucht auch ein Orchester eine Leitung und eine Organisation, die sicherstellen, dass es seine Aufgabe erfüllen kann: Nämlich Konzerte geben.

Eine exakte und zugleich übergreifende Definition des Begriffs Orchester ist kaum möglich, besonders wenn man seine Anwendung auf alle Musiksparten, auf unterschiedliche historische Musizierformen und auf außereuropäische Instrumentengruppen ausdehnt. So gibt es das Volksmusikorchester, das Blasorchester in der Marsch- und Militärmusik und im Jazz heißt das Orchester Big Band.

So vielfältig die Orchester-Definition, so vielfältig ist auch die Zusammensetzung der Orchester. Im klassischen Symphonieorchester sind üblicherweise folgende Instrumentengruppen vertreten: Streicher, Holzbläser, Blechbläser, Schlaginstrumente und Zupfinstrumente.

Zu den Streichern gehören: 1. und 2. Geige (Violine), Bratsche (Viola), Cello und Kontrabass.
Zu den Holzbläsern gehören: Flöten mit Piccoloflöte, Oboe mit Englisch Horn, Klarinetten, Fagott und Kontrafagott.
Zu den Blechbläsern: Hörner, Trompeten, Posaunen und Tuba.
Zu den Schlaginstrumente: Pauke, Schlagwerk (Trommeln, Becken, Triangel, Glockenspiel, ect.)
Zu den Zupfinstrumenten gehört hier klassischerweise die Harfe.

Je nach Werk können Instrumentengruppen gestrichen oder erweitert werden. Zusätzlich können auch noch andere Instrumente das Orchester ergänzen, z.B. Klavier oder Saxophon.

Die "Sitzordnung" im Orchester richtet sich nach den räumlichen Gegebenheiten und den Klangvorstellungen des Dirigenten. Grundsätzlich werden jedoch die Instrumentengruppen voneinander getrennt. Soll heißen, die 1. Geigen sitzen alle nebeneinander genau so wie die Trompeten alle nebeneinander sitzen - die Trompeten sitzen aber nicht direkt neben den Geigen. Heute ist die hier gezeigte Sitzordnung im Orchester quasi Standard.

Wenn ihr im Konzert sitzt und euch mal das Orchester anschaut, werdet ihr die Sitzordnung wieder erkennen :-) Sicherlich fällt euch dann auch auf, dass es viel mehr Streicher als Bläser gibt, was schlicht und einfach daran liegt, dass eine Geige leiser ist als eine Trompete. Damit man aber alle Instrumente hören kann, macht bei den Streichern die Masse die Lautstärke mit aus :-)

Was macht eigentlich der Dirigent?


Herbert von Karajan

Der Dirigent ist der musikalische Leiter des Orchesters - einfach ausgedrückt: er ist der Chef und zeigt den Musikern an, wo es langgehen soll. Was heißt das jetzt genau und wie macht der das eigentlich? Und warum braucht man einen Dirigenten dafür?
Jeder Berufsmusiker in einem professionellen Orchester hat einen Abschluss an einem Konservatorium oder einer Musikhochschule gemacht, ist ein vollendeter Künstler mit Geschmack, perfekter Technik und musikalische Autorität. Aber wenn man einen ganzen Haufen davon in einen Raum sperrt, bekommt man mindestens 50 verschiedene Auffassungen wie die Musik gespielt werden soll. Das Ergebnis wäre Chaos - daher gibt es den Dirigenten, dessen Aufgabe sowohl musikalischer als auch politischer Natur ist.

Zuerst einmal fällt jedem Konzertbesucher auf, dass der Dirigent vor dem Orchester steht, mit dem Rücken zum Publikum, mit seinen Händen "wild herumfuchtelt" und auch nicht immer starr stehen bleibt. Das ist die ganz offensichtliche Arbeit eines Dirigenten. Mit seinem "Rumgefuchtel" gibt er den Orchestermusikern wichtige Orientierungs- und Koordinierungshilfe. In der rechten Hand hält der Dirigent meist einen so genannten Taktstock - der Taktstock ist quasi der verlängerte Arm des Dirigenten, damit auch die Musiker in den hinteren Reihen jede kleinste Handbewegung sehen können. Mit der rechten Hand & Taktstock gibt der Dirigent für alle Musiker verbindlich Taktart und Tempo vor, damit alle gleich schnell spielen. Mit der linken Hand wird der Ausdruck nuanciert; der Dirigent gibt also u.a. per Handzeichen zu verstehen, ob ein Stück "lebhaft" oder "tragend" gespielt werden soll. Des weiteren zeigt das Dirigieren den Musikern Beginn und Ende eines Stückes, damit alle gleich anfangen und aufhören; ebenso zeigt er einzelnen Musikern oder Gruppen ihre Einsätze an, damit z.B. die Trompete zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle ihr Solo spielen kann.

Damit der Dirigent am Pult während des Konzerts all dies leisten kann, muss er bestimmte Voraussetzungen für diesen Beruf mitbringen und sich natürlich auf jedes Konzert explizit vorbereiten. Er braucht ein besonderes musikalisches Verständnis, muss eine Partitur lesen können, ein sehr gutes & differenziertes Gehör haben, die Instrumente kennen, ein gutes Gedächtnis haben und noch vieles mehr. Er überlegt, was der Komponist mit dem Werk ausdrücken wollte, recherchiert die historischen und biographischen Begebenheit zur Entstehungszeit und kreiert so neben den festgelegten Noten seine Vorstellung davon, wie das Werk klingen soll und vermittelt das seinen Musikern vor bzw. während den Proben.

Die Orchestermusiker haben alle ein Pult mit Noten vor ihrer Nase - der Solist nicht. Spielt der das etwa alles auswendig?

Ja, der spielt das alles auswendig, weil es gar nicht anders geht. Denn während einem Solopart kann man schlecht mittendrin kurz aufhören, um die Noten umzublättern ;-)
Auswendig spielen ist reine Übungssache, erfordert bei einem gewissen Repertoireumfang ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis und natürlich eine sehr gute Vorbereitung. Da Solisten Berufsmusiker sind, haben sie natürlich mehr Zeit sich vorzubereiten und zu üben als ein Hobbymusiker. Irgendwann sind die Noten so "in Fleisch und Blut" übergegangen, dass man sie nicht mehr braucht und sich stattdessen voll und ganz auf Ausdruck und Interpretation konzentrieren kann. Ansonsten wäre man zu sehr auf das Lesen vom Notenblatt fixiert und die Kommunikation mit den Mitmusikern und nicht zuletzt dem Publikum käme gar nicht erst zustande.

Im Programmheft steht bei den Musikern was von einem Konzertmeister - was ist ein Konzertmeister? Und was ist ein Stimmführer?

Bis ca. ins 19. Jahrhundert, als die Anzahl der Musiker im Orchester noch deutlich geringer war, gab es bei Konzerten selten einen Dirigenten. Oftmals hatte der Konzertmeister die Orchesterleitung inne.

Heutzutage ist der Konzertmeister der erste Geiger eines Orchesters - er sitzt im Block der ersten Geigen und ihm gehört der Stuhl ganz vorne, quasi neben dem Dirigenten. Der Konzertmeister ist Leiter der Geigengruppe und ist für deren Spiel verantwortlich. Da sich in den Noten selten Angaben z.B. zum Bogenstrich befinden, ist es Aufgabe des Konzertmeisters, dieses verbindlich für alle Geiger festzulegen, damit jeder weiß, ob er jetzt den Bogen nach oben oder nach unten bewegen soll. Das mag sich jetzt "lapidar" anhören, ist aber wichtig für die Artikulation.

Neben der Führung der Geigergruppe ist der Konzertmeister auch oft integrierende Kraft zwischen den verschiedenen Instrumentengruppen. In den Proben und Vorbereitungen ist er Vermittler zwischen Orchester und Dirigent; in manchen Orchestern kommt es auch vor, dass der Konzertmeister, den Dirigenten bei Proben vertritt. Im Konzert übernimmt er auch eine gewisse Dolmetscherfunktion, die bei schwierigen Passagen das Zusammenspiel garantiert und zwischen dem Mitwirkenden hör- und sichtbar vermitteln kann. Zudem sind ihm die Violin-Solo-Parts anvertraut (sofern es sich denn nicht um ein Konzert mit Extra-Solist handelt ;-)). Obwohl die Soli nicht selten einen hohen technischen Anspruch stellen, kann und darf sich der Konzertmeister nicht allein darauf konzentrieren, da er ja alle anderen Aufgaben auch noch zu bewältigen hat.
In großen Orchestern wie z.B. bei den Berliner Philharmonikern gibt es in den einzelnen Instrumentengruppen neben dem Konzermeister noch die so genannten Stimmführer. Die Stimmführer machen in ihrer jeweiligen Instrumentengruppe quasi genau die gleiche Arbeit wie der Konzertmeister: Sie legen verbindlich fest, wie was gespielt werden soll.

Es gibt auch heute noch Orchester, die ohne Dirigent spielen, wo der Konzertmeister dessen Aufgaben übernimmt. Dies ist vor allem bei Ensembles der Fall, die sich auf "Alte Musik" spezialisiert haben. Hier führt der Konzertmeister das Ensemble vom ersten Pult aus, natürlich ohne Taktstock ;). Damit jeder im Orchester seinen Angaben folgen kann, muss er das Werk wie ein Dirigent in allen Details kennen und über eine klare Körpersprache seine Vorstellungen vermitteln.

Es wurde vorhin was von einem Kammerton erwähnt - was ist denn das?

Spielen mehrere Instrumente zusammen, so müssen sie sich auf einen gemeinsamen Ton einstimmen, da sonst alles irgendwie schief, schräg und nicht harmonisch klingt.
Dieser Ton ist im Orchester das "eingestrichene a (a')" und wird Kammerton genannt. Die genaue Tonhöhe des a' war nicht immer einheitlich geregelt, sondern konnte je nach Land und Region in seiner Hertz-Freqeunz sehr unterschiedlich sein. So lag der Kammerton im 18. Jahrhundert in Deutschland bei etwa 415 Hertz (Hz), in Frankreich bei 392 Hz. Die Versuche einen gemeinsamen Ton zu bestimmen begannen bereits 1788, wo man sich in Paris auf 409 Hz für das a' einigte. 1885 wurde auf einer internationalen Konferenz in Wien das a' auf 435 Hz angehoben, bis schließlich 1939 das a' auf 440 Hz festgelegt wurde - eine Regelung, die offiziell noch heute gilt. Doch weicht die Praxis von diesen Vorgaben teilweise deutlich ab. So stimmen viele Orchester heute auf 443 Hz, Herbert von Karajan bevorzugte z.B. für die Berliner Philharmoniker sogar 445 Hz. Der Klang wird durch die höhere Stimmung tragfähiger und bekommt mehr Brillanz.

Angegeben wird der Kammerton im Orchester in der Regel durch die Oboe, da aufgrund bestimmter Konstruktionsmerkmale des sogenannten Doppelrohrblatt-Instruments die Oboe besonders geeignet ist. Im Vergleich zu den Streichinstrumenten ist die Intonation, also die Stabilität der Tonhöhe, weitgehend unempfindlich gegenüber äußeren Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Außerdem erleichtert die Oboe die verlässliche Einstimmung aller Instrumente auf den Kammerton durch ihren besonders klaren Ton.
Alternativ wird vor allem beim Stimmen von Tasteninstrumenten eine Stimmgabel verwendet.
Der Begriff "Kammer" rührt daher, dass man ursprünglich verschiedene Stimmungen für verschiedene Gelegenheiten verwendet hat. So bezog sich der Kammerton immer auf Musik, die in kleineren Räumen und vor kleinerem Publikum gespielt wurde.

Was ist eine Partitur?

Der Begriff Partitur leitet sich vom italienischen partitura (= Einteilung) ab und ist eine untereinander angeordnete Noten-Zusammenstellung aller Einzelstimmen der Instrumente, die in einem Stück vorkommen und ermöglicht so z.B. dem Dirigent auf einem Blick das musikalische Geschehen zu überschauen. In der Partitur kann man also ohne Umblättern sehen, was z.B. die 1. Geigen, die Celli und die Trompeter spielen.

Wieso hören sich z.B. Vivaldi's "Vier Jahreszeiten" bei jedem Konzert anders an, wenn doch immer die gleichen Noten gespielt werden?

Musik ist eine lebendige Kunst! Deswegen ist es völlig in Ordnung, wenn verschiedene Leute ein Stück auch verschieden interpretieren. Auch wenn das Stück selbst immer gleich bleibt, werden manche Aufführungen langsamer und andere schneller sein, andere sind lauter und manche leiser. In der Orchestermusik entstehen solche Unterschiede hauptsächlich durch verschiedene Dirigenten. Denn der Dirigent ist verantwortlich dafür, das Tempo, das Gleichgewicht zwischen den Instrumenten, die Lautstärke und den dramatischen Aufbau für jedes Stück, das das Orchester spielt, festzulegen. Zusammengenommen heißt das dann Interpretation - und die ist nicht nur im Konzert jedes Mal eine Neue sondern auch auf CD :-)

Da fragt man sich natürlich, ob der Komponist nicht alle diese Dinge festgelegt hat. Naja, nicht ganz. Er hat vielleicht "Allegro" an den Anfang geschrieben, was "lebendig" oder "schnell" bedeutet. Aber wie schnell ist "schnell"? Das entscheidet dann der Dirigent und deswegen hört sich Gleiches nicht immer gleich an :-)

Was bedeutet eigentlich dieses Op. bei den Musikstücken im Programmheft oder auf der CD?
-> Als Beispiel: Sarasate's Zigeunerweisen, Op. 20

Op. steht für das lateinische Wort Opus und bezeichnet damit ein Werk (lat.: Opus *g*) z.B. eines Komponisten oder eines anderen schöpferischen Künstlers. Seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde Op. häufig in Verbindung mit einer Zahl zur Kennzeichnung der Werke in der Reihenfolge ihres Druckes bei einem bestimmten Musikverlag verwendet. Seit Beethoven haben Komponisten ihre Werke oft direkt selbst mit einer Op.-Zahl versehen, aber seit der Moderne (z.B. bei Alban Berg) und in der Zeitgenössischen Musik werden keine Op.-Zahlen mehr von den Komponisten vorgesehen.
Es gibt für die Einsortierung der Stücke aber nicht nur die Op.-Zahlen: Beispielsweise bei Mozart dürfte einigen schon mal das "KV" (= Köchel-Verzeichnis) und bei Bach das "BWV" (= Bach-Werke-Verzeichnis) aufgefallen sein :-)

Ich les ständig italienisch: Allegro, pizzicato, piano, etc. - Warum ist die Sprache der klassischen Musik italienisch?

Italien erlebte vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts einen wahren Musikboom. Das Land, das bereits die Vorreiterrole in Musikdruck, -ausbildung und -förderung eingenommen hatte und seit dem 14. Jahrhundert die größte Anzahl europäischer Musiker angelockt hatte, wurde jetzt zum weltgrößten Exporteur von Musik und Musikern. Italienische Musiker und Komponisten wanderten in alle Winkel von Europa aus und besetzten einflussreiche Positionen an europäischen Adelshöfen, da sie als die am besten ausgebildeten Musiker galten.
Die italienische Oper z.B. wurde von reisenden Musikertruppen international bekannt gemacht, so dass in vielen Ländern Europas Italienisch selbstverständlich als Sprache für Operntexte galt.

So setzten sich italienische Wörter und Ausdrücke in der musikalischen Praxis durch, zugleich wurden die Musikalien wie Noten mit der Ausbreitung des Verlagsweisens erstmal in ganz großem Stil in Italien und nach und nach erst international verfügbar.
Im Laufe der Zeit wandelte sich jedoch die Verwendung zahlreicher italienischer Bezeichnungen, oder ihr Gebrauch in der Musikfachsprache wurde so verallgemeinert, dass der Sinn des Wortes im heutigen "normalen" Italienisch von seiner Bedeutung in der Musik abweicht. Das Wort "allegro" z.B. heißt auf Deutsch so viel wie "munter" - im musikalischen bereich wird es aber oft nur noch mit "schnell" gleichgesetzt.
Italienische Begriffe werden heute hauptsächlich gebraucht, um Angaben zum musikalischen Ausdruck (Dynamik, Tempo, Spieltechnik) zu machen. Viele andere Grundbegriffe aus der Musik sind hingegen griechischen (Harmonie, Melodie und das Wort Musik selbst) oder lateinischen (die Namen der Intervalle wie Prime, Sekunde oder Terz … Intervalle zu erklären würde hier aber definitiv zu weit gehen ;)) Ursprungs.

Bereits im 19. Jahrhundert verwendeten Komponisten wie Robert Schumann und Ludwig van Beethoven in ihren Werken zunehmend Begriffe aus dem eigenen Wortschatz für die genauen Ausdrucksbezeichnungen. Im 20. und 21. Jahrhundert gehören die italienischen Begriffe weiterhin zum Kanon der Fachwörter, jedoch machen mit der enormen Zunahme der musikalischen Gestaltungsmittel viele Komponisten Angaben in ihrer Muttersprache oder der internationalen Verständlichkeit halber gleich auch auf Englisch.

Wer genau wissen will, was sich hinter Begriffen wie adagio, allegro, piano etc. verbirgt, kann ja mal Google bemühen oder sich für ein paar Euro Reclams Kleines Wörterbuch der Musik zulegen ;-)

Mir ist im Programmheft noch was aufgefallen: Eine Symphonie hat vier Sätze, ein Konzert nur drei - wieso das denn?

Symphonie und Konzert gehören neben der Sonate und dem Streichquartett zu den wichtigsten Gattungen der Instrumentalmusik. Beide sind in der Regel Orchesterkompositionen und bestehen aus mehreren Sätzen gegensätzlichen Charakters (z.B. schnell-langsam-schnell). Die unterschiedliche Anzahl der Sätze lässt sich anhand der unterschiedlichen historischen Wurzeln und der jeweiligen Entstehungsgeschichte erklären.
Die Form der klassischen Symphonie entfaltete sich im 16. und 17. Jahrhundert. Die sogenannte Sinfonia war als Einleitungsstück in der "Opera seria" schon dreiteilig (schnell - langsam - schnell) angelegt. Ab etwa 1730 lösten einige Komponisten die Sinfonia erstmals als eigenständiges Konzertstück von der Oper. Später wurde der Sinfonia vor dem letzten Finalsatz noch vielfach ein weiterer Satz als Menuett oder Scherzo eingefügt …. Und so ward die 4sätzige Symphonie geboren :-)

Das Konzert hingegen hat seine Wurzeln im Italien des 16. Jahrhunderts, es entwickelte sich aus der mehrchörigen Vokalmusik. Der Begriff Concerto bezeichnet auch heute noch einen Wettstreit der Stimmen, wobei heute nicht mehr nur die menschliche Stimme in der Vokalmusik gemeint ist. Aus der Übertragung dieses Concerto-Prinzips auf de rein instrumentalen Gattungen Sonate und Sinfonia entstand Ende des 17 Jahrhunderts das Solokonzert für ein oder mehrere Soloinstrumente und Orchester. Der berühmte italienische Komponist Antonio Vivaldi entwickelte schließlich die traditionelle Form des Konzerts, die in einem getragenen, ruhigeren Mittelsatz besteht, den zwei schnelle virtuose Ecksätze umrahmen.

Die Gattung des Solokonzerts stellt den Instrumental-Virtuosen (in unserem Falle David :-)) in den Vordergrund und ermöglicht dem Solisten, in drei Sätzen (überzeugender Einstieg - ruhiges Intermezzo - furioses Finale) technisches Können und Ausdruckskraft zu präsentieren. Dagegen bietet die Symphonie Komponisten vier Sätze lang Zeit und Raum, musikalische Ideen auszubreiten, zu verweben und monumentale Klangwelten aufzubauen.

David (z.B.) wird ja oft als Virtuose bezeichnet - was ist ein Virtuose?

Das Wort Virtuose wird (mal wieder) aus dem Italienischen entliehen - virtuoso bedeutet so viel wie "fähig" oder "tüchtig".
Virtuose war im 16. und 17. Jahrhundert in Italien eine Bezeichnung für hervorragende Künstler und Gelehrte. Hatte sich der Begriff im frühen 18. Jahrhundert auch auf herausragende theoretische und kompositorische Leistungen eines Musikers bezogen, so bezeichnet man seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nur noch den Musiker, der außergewöhnliche praktische Leistungen vorweisen kann, insbesondere den Solisten, als Virtuosen. Zu einem Virtuosen gehören also brillante technische, improvisatorische und interpretations-künstlerische Fähigkeiten.

Im 19. Jahrhundert verkörperten vor allem der "Teufelsgeiger" Niccolo Paganini und der Pianist Franz Liszt diese Eigenschaften, wobei beide noch als Komponisten tätig waren. Jeder, egal ob Musiker oder Hörer, der sich mal mit Paganini's 24 Capricci beschäftigt hat, weiß wovon die Rede ist :-)

Wie lange muss ein Musiker eigentlich üben?

Übung macht den Meister! Den Spruch kennen wir alle und es steckt viel Wahrheit darin. So wie Leistungssportler intensiv trainieren, um Medaillen zu erkämpfen, müssen sich auch Musiker ihren Schlussapplaus hart erarbeiten.

Das Üben dient der kontinuierlichen Verbesserung des instrumentalen Vortrags und der Ausprägung musikalischer sowie spieltechnischer Fähigkeiten. Üben heißt also: sich eine gesunde Spielhaltung anzutrainieren, sich ein Musikstück anzueignen, die Partitur zu analysieren und Noten einzustudieren. Technisch schwierige Passagen müssen wiederholt werden, um sie auf Fehlerlosigkeit und Spielsicherheit zu trainieren. Darüber hinaus ist es wichtig, das Zusammenspiel mit anderen Musikern zu proben und Aufführungssituationen vorzubereiten. Üben heißt aber auch für Berufsmusiker wie David Garrett Tonleitern und Etüden rauf- und wieder runterfiedeln!

Je mehr Repertoire ein Musiker beherrschen muss, desto mehr Zeit verbringt er mit seinem Instrument. Dabei ist die Frage nach einem zeitlichen Richtwert für ein effektives Üben, das mit einer bestimmten Spielleistung einhergehen soll, kaum zu beantworten. Es kommt darauf an, wer, was, wie, mit welchem Ziel und Qualitätsanspruch übt. Ein Berufsmusiker übt mehrere Stunden am Tag … und das täglich, ein Leben lang!

Kennen wir heute eigentlich schon alles, was bis jetzt komponiert wurde, und wie viel von der Musik ist bereits auf CD eingespielt?

Wer ein großes CD-Geschäft mit großer Klassik-Abteilung besucht oder in den Verzeichnissen von MP3-Files nachschaut, könnte leicht auf den Gedanken kommen, dass die in den zurückliegenden Jahrhunderten komponierte Musik ganz oder doch jedenfalls zum größtenteils eingespielt ist. Wer aber mal in Lexika oder Bibliothekskatalogen nachschlägt wir schnell eines Besseren belehrt.
Nur das Gesamtwerk der sogenannten "großen Meister" wie z.B. Bach, Mozart und Beethoven ist umfassend auf Tonträgern dokumentiert. Aber schon bei sehr bekannten Komponisten wie Vivaldi oder Teleman findet man wiederum nur einen Teil ihres Schaffens auf CD, von unbekannteren Komponisten braucht man gar nicht erst zu reden.
Ob es sich lohnt, alle 44 Passionen Telemanns oder die über 200 Violinkonzerte Vivaldis aufzunehmen, ist eine berechtigte Frage. Sicher ist aber, dass sich von beiden noch viel Lohnendes für das interessierte Publikum verborgen hält. Und die zwei genannten sind wirklich nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs.
Viele Kompositionen sind zwar nicht eingespielt, aber doch immerhin als gedruckte Noten den Musikern ohne Probleme zugänglich und somit im Konzert aufführbar. Doch betrifft das nur einen kleinen Bruchteil dessen, was in großen Bibliotheken in aller Welt noch als Manuskript oder als lange zurückliegender Erstdruck lagert. Zudem sind viele Bestände bist heute noch nicht katalogisiert und einsehbar. Diese Tatsache trat mit dem großen Brand der Anna-Amalia-Bibliohtek in Weimar 2004 ins öffentliche Bewusstsein: Damals wurden zahlreiche Musikalien, z.B. die Cembalokonzerte von Anna Amalia, die weder gedruckt, kopiert noch bis dahin gesichtet waren, zerstört. Diese Musik ist für immer verloren!
Man kennt also heute noch lange nicht alles und vieles gibt es leider auch nicht auf CD.

Wird deswegen immer weiter komponiert, obwohl es doch eigentlich schon sooo viel Musik gibt?

Meine Meinung dazu: Von Musik kann man nie genug haben!
Seit es den Menschen gibt, gibt es auch Musik. Im Laufe der Jahrtausende haben sich Instrumentarium, Notenschrift und Geschmack stets verändert, und auch die Beweggründe des Komponierens waren in den unterschiedlichen Jahrhunderten andere. Das menschliche Verlangen nach schöpferischer Tätigkeit besteht fort, ein Bedürfnis, immer wieder nach Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen und musikalisch Antworten auf die Fragen zu geben, was der Mensch eigentlich ist. Kann da jemals alles gesagt sein?
Musik ist eine Sprache, die man auf der ganzen Welt spricht. Es gibt sie zu allen Anlässen und Gelegenheiten und obwohl oder vielleicht auch gerade weil unsere heutige Welt tönt und uns Musik an jeder Straßenecke begegnet, wählen Menschen Musik als Ausdrucksmittel. Musik wird aber auch produziert, weil sie einen enormen Marktwert hat und man damit Geld verdienen kann.
Mit dem Notendruck, der quasi fast zeitgleich mit dem Buchdruck im späten 15. Jahrhundert aufkam, wurde Musik reproduzierbar und hielt Einzug in alle Wohnzimmer. Damit wurde sie als Ware entdeckt, die mit der Technik der Schallspeicherung seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch als reines Konsumgut verkauft werden konnte.
Solange es Menschen gibt, die Musik hören, wird es auch Menschen geben, die Musik produzieren, in dem sie komponieren.


Ich hoffe sehr, euch damit einige Fragen schon mal beantwortet zu haben. Es sollte hier wie gesagt nicht zu theoretisch werden - ich will hier niemandem, den Quintenzirkel, Dominantseptakkorde oder dergleichen mehr erklären. Es ist als Heranführung an die klassische Musik gedacht und soll kein "Tiefen-Wissen" liefern :

Sonderteil: Die Geige oder Violine

Falls es noch nicht aufgefallen sein sollte: Wir befinden uns auf der offiziellen Support-Page eines Violin-Virtuosen ;-) Was liegt da näher, als euch noch etwas zum Instrument an sich und etwas drum herum zu erzählen :-)

Woher kommt der Name Violine?

Zuerst einmal das Wichtigste: Geige und Violine sind das Gleiche, also lasst euch dadurch nicht verwirren :-)
Die Bezeichnung Violine stammt aus dem Italienischen (violino) und bedeutet eigentlich "kleine Viola". Eine ursprüngliche Bezeichnung war etwa "Viola con tre corde senza tasti" (dreisaitige Viola ohne Bünde).
Um 1523 ist im Französischen der Begriff Vyollon nachgewiesen. Der italienische Begriff Violino taucht erstmals dokumentiert um 1535 auf. Das Wort Geige stammt aus dem logischerweise deutschen Sprachraum und umfasste im Mittelalter alle bogengestrichenen Saiteninstrumente. Seit der Entwicklung der drei Familien Viola da braccio, Viola da gamba und Lira aus der Fidel im 16.Jh engte sich der Begriff auf die Viola da Braccio-Familie ein und gilt heute nur noch für deren Diskantvariante, die Violine. Diskantvariante meint hier, dass die Violine aus ihrer Streicherfamilie von der Tonhöhe her das "höchste" Instrument ist. Die Bratsche/Viola ist deutlich tiefer vom Klang her, ebenso das Cello.

Was ist eigentlich eine Violine?

Die Violine ist ein aus verschiedenen Naturhölzern gefertigtes Saiteninstrument. Da ihre Saiten mit einem Bogen gestrichen werden, gehört die Violine auch noch zur Familie der Streichinstrumente.
Die Form der Violine, die Elemente der mittelalterlichen Fiedel, des Rebec und der Lira in sich vereinigt, stand spätestens um 1560 fest (Violinen von Andrea Amati und Gasparo da Salò). Seitdem hat sich die Violine von ihrem "Körperbau" her in der grundsätzlichen Konstruktion bis auf einige Maßnahmen zur Vergrößerung des Klangvolumens nicht verändert.

Woraus besteht eine Violine?

Schauen wir uns eine Violine doch mal genauer an:

Bei der linken Seitenansicht fallen zwei große "Bauteile" auf: Hals und Korpus.

Der Korpus ist ein ca. 35 bis 36 cm langer Hohl-Resonanzkörper und verstärkt den Klang der Saiten. Er besteht aus 3 Bauteilen: Der Decke, den Zargen und dem Boden.

Die Decke ist der mit zwei F-Löchern versehene, gewölbte, meist aus Fichtenholz gefertigte obere Teil. Die zwei F-Löcher werden F-Löcher genannt, da sie durch ihre Form an den Buchstaben f erinnern. Die F-Löcher sind Schalllöcher und dienen damit zur Erhöhung der Lautstärke der Violine. Der im Inneren des Korpus befindliche Schall, Ton, Laut, Resonanz (wie man es jetzt auch immer genau nennen mag ;-)) wird über die F-Löcher nach draußen abgestrahlt. Würde man die F-Löcher zukleben, wäre die Violine ziemlich leise. Deswegen hat die Decke auch einen sehr großen Einfluss auf den Klang des Instruments.
Die Decke ist fast immer aus zwei mittig miteinander verleimten Teilen gefertigt. Idealerweise wird "feinjähriges" Holz (die Jahresringe liegen eng und gleichmäßig) verwendet, das auf nährstoffarmem Boden in Hochgebirgsregionen langsam gewachsen ist. Es wird in der ersten Hälfte des Winters, wenn sich möglichst wenig Saft im Stamm befindet, geschlagen und danach noch mehrere Jahre zur weiteren Trocknung gelagert.

Der Boden ist meistens aus Ahorn gefertigt (seltener kommen auch Pappel oder Weide zur Verwendung) und ebenfalls gewölbt. Der Boden kann einteilig oder aus zwei miteinander verleimten Teilen gefertigt sein, was an der Maserung des Holzes zu erkennen ist. Die Zargen sind die Seitenteile des Korpus und sind mit Boden und Decke nutverleimt. Sie bestehen meistens aus demselben Holz wie der Boden.

Die Wölbungen von Decke und Boden werden aus dem vollen Holz gehobelt, sprich der Geigenbauer hat einen "Rohklotz" und bearbeitet ihn so lange bis er die passende Wölbung hat. Die Wölbung und ein kleiner seitlicher Randüberstand an Decke und Boden erhöhen die Druckfestigkeit des Korpus, was sehr wichtig ist, da die 4 gespannten Saiten einen enormen Druck ausüben.

Der Steg ist auf die Decke aufgesetzt, jedoch nicht geleimt oder anderweitig befestigt. Über ihn laufen die Saiten, deren Schwingung er auf den Korpus überträgt. Er besteht aus feinjährigem Ahorn und wird nur durch den Druck der gespannten Saiten an seinem Platz gehalten. Am Saitenhalter können für die zwei hohen, meistens aus Stahl bestehenden Saiten Feinstimmer oder Feinstimmräder angebracht sein. Sind alle Saiten aus Stahl, sind vier Feinstimmer sinnvoll. Der Saitenhalter wird durch die Henkelsaite führt über den Untersattel und hält den Saitenhalter am Endknopf in der Zarge.

Der Hals besteht ebenfalls aus mehreren Bauteilen: Griffbrett, Schnecke, Wirbelkasten mit Wirbeln, Sattel und dem Hals an sich.
Der Hals hat eine Länge von ca. 13 cm und ist mit dem Griffbrett (ca. 27 cm Länge) verleimt, das etwa 14 cm über den Korpus ragt. Das Griffbrett ist aus Ebenholz und daher schwarz, hart und verschleißfest, damit viele Geiger viele Jahre mit ihren Fingern darüber rutschen können ;-). Über den Sattel oder Obersattel am schmalen Griffbrettende führen die Saiten in den Wirbelkasten zu den Wirbeln. Die Wirbel dienen zum Stimmen der Saiten. Wenn man an ihnen dreht, verändert sich die Spannung und damit auch der Ton der jeweiligen Saite. Die Schnecke am Ende des Wirbelkastens ist oft durch besondere Gestaltung ein Erkennungsmerkmal des Geigenbauers.

Im Inneren des Korpus gibt es noch 2 ganz wichtige Bauteile: Bassbalken und Stimmstock.
Der Bassbalken ist eine in Faserrichtung des Holzes verlaufende Fichtenholzleiste, die unter leichter Vorspannung auf die Deckeninnenseite geleimt ist. Er befindet sich ziemlich genau unter der dicken, tiefen G-Saite, unterhalb der "Bassseite" des Steges (daher der Name Bassbalken) und erhöht so auch die Festigkeit der Decke.

Wenn man eine Geige in der Hand hat und an der Seite der dünnsten Saite, der E-Saite, ins F-Loch schaut, kann man ein kleines, rundes Holzstäbchen sehen, das unter dem Steg zwischen Decke und Boden eingeklemmt ist. Das ist der Stimmstock und dessen präzise Platzierung beeinflusst und reguliert den Klang der Violine erheblich. Ohne ihn würde eine Violine ganz dünn und hohl klingen, da er die Schwingungen beim Spielen von der Decke auf den Boden überträgt und das Instrument so "laut" macht. Der Stimmstock wird auch oft als die Stimme oder Seele einer Violine betitelt.

Der Lack schützt das Holz des Instrumentes vor Umwelteinflüssen wie Luftfeuchtigkeit, konserviert dessen Schwingungseigenschaften und kann den Klang erheblich beeinflussen oder sogar deutlich verbessern. Ebenso kann ein unfachmännisch aufgetragener Lack den Klang eines Instruments zerstören.

Zur Verleimung der einzelnen Bauteile einer Violine wird ein spezieller Knochenleim (Heißleim) verwendet. Er besteht aus Proteinen, die aus Tierknochen oder -haut gewonnen werden. Seine besondere Eigenschaft besteht darin, dass er wasserlöslich ist und bei einer Temperatur von etwa 50 bis 60 Grad Celsius weich wird und so das Instrument problemlos jederzeit auseinander zu nehmen ist, ohne dass Holz oder Lack Schaden nehmen. Noch ein Grund mehr, warum man seine Geige im Sommer nicht im Kofferraum eines Autos lassen sollte ;-)

Der Kinnhalter (dieses leicht ovale "Ding" unten am Saitenhalter ;-)) erleichtert das Halten des Instruments zwischen Kinn und Schulter, dem gleichen Zweck dient die Schulterstütze, die man unten am Boden der Geige befestigen kann.

Wer sich genauer ansehen will, woraus und wie eine Violine gebaut wird, kann ja mal schauen, ob er einen Geigenbauer in der Nähe hat, den er vielleicht in seiner Werkstatt besuchen darf. Oder schaut euch mal dieses Video (Englisch!) an!

Haben wir jetzt alle wichtigen Geigenteile durch?
Nein, die Saiten fehlen noch! :-)

Keine Geige ohne Saiten :-)
Das Wort Saite stammt aus dem Althochdeutschen "Seito" und bedeutet "Strick" oder "Darmsaite". Allgemein versteht man generell unter Saite einen dünnen, schwingenden Strang aus Tierdärmen, Pflanzenfasern, Draht, Kunststoff, Tierhaar oder anderem Material, der auf ein Saiteninstrument oder auch auf einen Tennis- oder Badminton-Schläger gespannt wird.
Ja, ihr habt richtig gelesen: Saiten wurden bzw. werden heute noch teilweise aus Tierdärmen hergestellt. Aber ich kann euch beruhigen: Nur noch sehr sehr sehr wenige Geiger verwenden diese Saiten aus Katzen- oder Schafdarm. Zum Teil weil der Klang für die modernen Konzertsäle nicht laut genug ist und zum anderen weil es heutzutage einfach als unethisch gilt. Nebenbei angemerkt sind Darmsaiten wahnsinnig teuer. Auch deswegen sind die heutigen Violinen meist mit Metallsaiten bezogen.

Die vier Saiten einer Violine sind auf die Töne G, D, A und E gestimmt, wobei die G-Saite die tiefste und die E-Saite die höchste ist. Eine beliebte Eselsbrücke für Geigenschüler zum Einprägen der Saiten ist der Satz "Geh Du Alter Esel" - angefangen bei der dicksten Saite, G, bis zur dünnen E-Saite. Die A-Saite hat übrigens die gleiche Tonhöhe wie das eingestrichene a', der Kammerton :-)

Saiten sind übrigens auch sehr wichtig für den Klang und die Spielbarkeit einer Violine. Der Klangunterschied zwischen billigen und teuren Saiten kann teilweise viel größer sein als der Klangunterschied zwischen einer billigeren und teureren Violine. Das gilt auch für den Unterschied zwischen Stahl- und Darmsaiten.
Schließlich gibt es noch einen Unterschied zwischen so genannten harten und weichen Saiten, Saiten mit hoher oder geringer Spannung und zwischen dickeren und dünneren Saiten. Die meisten Saiten sind mit ultradünnem Metalldraht umsponnen. Aufgrund dieser Umspinnung kann die Saite selbst ziemlich dünn sein, sodass sie leicht anspricht beim Streichen, während das zusätzliche Gewicht dazu führt, das sie so tief klingt, wie sie soll. Der Klang einer Saite hängt nicht nur vom Kernmaterial sondern auch von der Umspinnung ab. Nur die E-Saite ist normalerweise nicht umsponnen.
Vor jedem Spielen muss die Geige bzw. die Saiten neu gestimmt werden. Die Geige wird durch Drehen der vier Wirbel am oberen Ende gestimmt, wodurch sich die Spannung der Saiten und damit dann auch die Tonhöhe verändert.

Wozu braucht man einen Bogen?

Neben den vier Saiten hat jede Violine noch ein weiteres unabdingbares Zubehörteil: den Bogen. Kurz gesagt: Der Geiger zieht den Bogen über die Saiten auf dem Instrument, um Töne zu erzeugen … wahlweise können die Saiten zwar auch mit den Fingern gezupft werden, das wird dann pizzicato genannt, aber der Bogen ist doch im Dauereinsatz :-)
Dass dieses Ding Bogen heißt, hat historische Gründe: Früher war er gebogener, ähnlich wie der Bogen eines Bogenschützen im Sport.

Wer sich das Video eben bei Youtube angesehen hat, weiß nun ungefähr wie ein Bogen gebaut wird. Und hier gibt's noch mal einen zum Anschauen:

Zwischen den Enden der hölzernen Bogenstange erstreckt sich ein Bündel Rosshaar - ja, richtig: Haare aus dem Schweif eines Pferdes :-) Das eine Ende der Haare sitzt im Kopf am oberen Ende der Bogenstange (Bild unten links) und das andere wird vom sogenannten Frosch gehalten (Bild unten rechts). Wieso der Frosch Frosch heißt? Weils vom Aussehen her an einen sitzenden Frosch erinnert … schaut mal genau hin ;-) Mit dem kleinen Schräubchen unten an der Bogenstange, kann man den Bogen bzw. die Haare spannen. Dreht man an der Bogenschraube, bewegt sich der Frosch nach hinten bis ein Zwischenraum von ca. 5-6mm zwischen Haaren und Stangenmitte entsteht. Nach dem Spielen wird der Bogen wieder "entspannt". Ein guter Geigenbogen kann übrigens auch seeeeeehr teuer sein!

Was ist Kolophonium? Da war doch mal bei "Zimmer Frei!" die Rede von!

Damit der Geigenbogen einen besseren Halt auf den Saiten hat, werden die Bogenhaare regelmäßig mit Bogenharz, auch Kolophonium genannt, eingerieben, wodurch sie etwas verkleben und so die Saiten besser "packen" können. Ohne Kolophonium streicht der Bogen über die Saiten, ohne einen Ton zu erzeugen, da hier der physikalische Slip-Stick-Effekt keine bzw. wenig Schwingungen und damit auch keinen Ton erzeugen kann.

Das Kolophonium für Streichbögen ist ein kreideartiges Puder, das als bersteinfarbener, oft kreisrunder Block in der Größe eines Zwei-Euro-Stücks verkauft wird.
Kolophonium kann übrigens recht häufig allergische Reaktionen auslösen … weswegen schon viele Leute das Geigenspiel aufgeben mussten.

Ich hab mal was von einem Zettel gehört - aber was hat der bitte mit einer Geige zu tun? Da hängt doch nirgendwo ein Zettel!

Zwar nicht wichtig für den Klang einer Violine an sich, aber quasi als Herkunftsnachweis hinterlässt der Geigenbauer den sogenannten "Zettel" in der Violine.
Wenn man direkt von oben durch eins der F-Löcher schaut, kann man meist ein kleines Stück Papier, den Zettel, am inneren Boden der Violine erkennen. Hier steht wer die Geige gebaut hat, wann und wo sie gebaut wurde.
In der heutigen Zeit der Fabrikproduktion in China werden solche Zettel auch gerne gefälscht und so wird aus einem Billig-Sperrholz-Produkt eine Stradivari aus dem 17. Jahrhundert.

Wo grade der Name Stradivari fiel: Was ist eigentlich das Besondere an einer Stradivari? Warum ist die so teuer?

Antonio Stradivari (1644-1737) entstammte einer Patrizierfamilie und ist bis heute der wohl bekannteste Geigenbauer aller Zeiten. Er war Geigenbauschüler bei Niccolo Amati (1596-1684) und genoss schon zu Lebzeiten hohes Ansehen. Stradivari verbrachte die größte Zeit seines Lebens in Cremona, Italien, das bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts als Zentrum des Geigenbaus schlechthin galt. Das Wirken von Niccolo Amati, Antonio Stradivari und Joseph Guarnerius del Gesu machte die Stadt über die Grenzen Italiens hinweg bekannt. In ihren Werkstätten entstanden die vielleicht klangvollsten, jedenfalls begehrtesten Geigen (aber auch Bratschen und Celli) der Welt.

Während die früheren Arbeiten Stradivaris (etwa ab 1665) noch unter dem Einfluß der kleineren Amati-Modelle standen, entwickelte er ab den 1680er Jahren durch Strecken des Korpus eine eigene Form, die dann um 1700 mit dem eigentlichen Stradivari-Modell ihre Vollendung gefunden hat. Die Geigen Stradivaris haben im Vergleich zu z.B. Amatis eine flachere Wölbung von Decke und Boden und niedrigere Zargen. Sein Lack, dessen hervorragende Beschaffenheit bis heute noch viel Spielraum für Spekulationen lässt, ist in der Regel von leuchtend goldbrauner Farbe, später ins Rötliche übergehend, mitunter sogar leicht violett schimmernd.

Das Phänomen des außerordentlichen Klanges einer Stradivari-Geige wird von zahlreichen Mutmaßungen begleitet. Es wird vermutet, Stradivari könnte einen besonderen Leim oder Ahornholz aus Kathedralen benutzt haben. Eine andere Theorie besagt, das Material für die außergewöhnlichen Geigen stamme von Bäumen, die während der sogenannten Kleinen Eiszeit in Europa im 16. bis 18. Jahrhundert ein besonders dichtes Holz entwickelt haben. Im 17. und frühen 18. Jahrhunderts gab es eine schwere Holzwurmplage - in der Provinz Cremona wurde nach heutigen chemischen Untersuchungen das Holz imprägniert und so vor Holzwürmern geschützt. Diese Imprägnierung könnte ebenfalls zum besonderen Klang einer "Strad" beigetragen haben. Auch der aus Kristallpulver hergestellte Original-Lack der Geigen soll zur Klangbildung maßgeblich beigetragen haben - damals sollte er auch zusätzlich noch die fertige Geige vor Holzwurmbefall schützen.

Was eine "alte Geige" wie Stradivari also so besonders im Klang macht, ist bis heute trotz modernster Untersuchungsmethoden nicht geklärt. Die Geigen der "großen, alten Meister" sind also u.a. wegen ihres Klangs so begehrt und damit auch so teuer geworden. Sie waren schon zu Lebzeiten ihrer Erbauer sehr begehrt und deswegen nicht grade günstig - erreichten aber noch lange nicht heutige Preise, bei denen man den Namen und den Mythos mitbezahlt.

Weitere bedeutende Geigenbauer waren: Gasparo da Salò (1540-1609, Italien), Guarnerius del Gesu (1698-1744, Italien), Giovanni Battista Guadagnini (1711-1786, Italien), die Familie Gagliano (17.-18. Jahrhundert, Italien), Jakob Stainer (1617-1683, Österreich), Jean Baptiste Vuillaume (1798-1875, Frankreich) …. Die komplette Liste wäre deutlich länger :-)
Wissenswert ist hier noch z.B., dass man im 18. Jahrhundert einen wesentlich höheren Preis für eine Stainer-Geige bezahlte als für eine Stradivari oder Amati; Vuillaume wahrscheinlich eine Geige gebaut hat, die für eine Stradivari gehalten wurde und Niccolo Paganini auf einer Guarneri namens "Il Cannone" gespielt hat.


Das soll es erst einmal gewesen sein - ich weiß, dass diese Sammlung nie vollständig sein wird, weil z.B. die Oper hier keine Beachtung findet. Ich habe mich lediglich auf die Themen beschränkt, die einen David Garrett Interessierten an der Klassik interessieren könnten.

Zu guter letzt möchte ich hier eine Liste von so genannten Hörempfehlungen weitergeben.
An der Musikhochschule Köln werden zu Beginn eines Semesters seit einiger Zeit so genannte Hörlisten ausgegeben, um Studenten für bestimmte Themen mit der jeweils wichtigen Musik vertraut zu machen. Eine solche Liste habe ich euch mal hierher kopiert. Sicher sind einige aufgeführte Kompositionen bekannt und begleiten manche von uns schon jahrelang - von anderen wiederum hat man noch nie was gelesen oder gar gehört.
Mit dieser Hörliste sollen die Studenten und jetzt auch ihr dazu ermuntert werden, sowohl Bewährtes als auch selten gespielte Werke neu zu entdecken. Über die Zusammenstellung dieser Hörliste kann man sicherlich diskutieren - aber bitte nicht mit mir, ich hab sie nicht zusammengestellt *grins*

Mittelalter

Hildegard von Bingen - Antiphone (um 1150)
Perotinus - Sederunt Principes (um 1200)
Johannes Ciconie - Ballade und Motetten (um 1400)
Guillaume Du Fay - Nuper rosarum flores (Motette, 1436)

Renaissance

Gilles Binchois - Chansons (um 1450)
Johannes Ockeghem - Missa prolationum (um 1450)
Josquin Desprez - Missa L'homme armé super voces musicales (um 1502)
Orlando di Lasso - Prophetiae Sibyllarum, für vierstimmigen Chor (1549-1551)
Giovanni da Palestrina - Missa Papae Marcelli (um 1562)
Carlo Gesualdo - Madrigali (1594-1626)

Barock

John Dowland - Lute songs (Lautenlieder, um 1600)
Claudio Monteverdi - L'Orfeo (Oper, 1607)
Barbara Strozzi - Il primo libro de madrigali (1644)
Chiara Margarita Cozzolani - Marienswesper (1650)
Jean-Baptiste Lully - Arys (Tragédie en Musique, 1676), "Die Oper des Königs"
Johann Sebastian Bach - Brandenburgische Konzerte (1711-1713)
Johann Sebastian Bach - H-Moll-Messe (um 1724-1749)
Jean-Philippe Rameau - Castor und Polux (Tragédie en musique, 1737)
Domenico Scarlatti - Ausgewählte Sonaten (um 1738 - 1757)
Georg Friedrich Händel - Der Messias (Oratorium, 1741)

Klassik

Johann Sebastian Bach - Klaviersonaten (ab 1768)
Carl Philipp Emanuel Bach - Freie Phantasien für Klavier (um 1785)
Wolfgang Amadeus Mozart - Le nozze die Figaro, KV 492 (Oper, 1786)
Wolfgang Amadeus Mozart - Klavierkonzert B-Dur, KV 595 (1791)
Joseph Haydn - Klavierquartett C-Dur, Op. 76/3 (1797)
Ludwig van Beethoven - Sonate D-Dur, Op. 10 No. 3 (1796-1798)
Joseph Haydn - Nelson-Messe D-Moll, Hob. XXII:11 (Missa in angustiis, 1798)
Ludwig van Beethoven - 7. Symphonie A-Dur, Op. 92 (1811/12)
Jan Vorisek - Symphonie D-Dur (1821)

Romantik

Fanny Hensel - Klavierquartett As-Dur (1822)
Franz Schubert - Die Winterreise, für Singstimme und Klavier, Op. 89 (1827)
Franz Schubert - Streichquintett C-Dur, D 956 (1828)
Robert Schumann - Kreisleriana, für Klavier, Op. 16 (1838)
Louise Farrenc - Klavierquintett Nr. 2 in E-Dur, Op. 31 (1840)
Fanny Hensel - Klavierzyklus Das Jahr (1841)
Felix Mendelssohn Bartholdy - Ein Sommernachtstraum, Op. 61 (1843)
Franz Liszt - Faust-Symphonie in drei Charakterbildern (1857)
Richard Wagner - Die Meistersinger von Nürnberg (Oper, 1861-1867)
Giuseppe Verdi - Missa da Requiem (18784)
Anton Bruckner - 4. Symphonie Es-Dur, WAB 104 (1874)
Johannes Brahms - Symphonie Nr. 4 in E-Moll, Op. 98 (1885)
Antonin Dvorak - Konzert für Cello und Orchester (1895)
Camille Saint-Saens - Klavierkonzert Nr. 5, Op. 103 (Ägyptisches Konzert, 1896)
Cécile Chaminade - Lieder (um 1900)
Gustav Mahler - Rückert-Lieder, für Singstimme und Orchester (1899-1902)
Gustav Mahler - Symphonie Nr. 5 in Cis-Moll (1904)

Moderne Musik

Claude Debussy - Pelléas et Mélisande (Oper, 1902)
Richard Strauss - Salome (Oper, 1905)
Ethyl Smyth - The Wreckers (Oper, 1906)
Arnold Schönberg - Pierrot lunaire (Liedzyklus, 1912)
Sergej Prokofjew - Toccata für Klavier (1912)
Igor Strawinsky - Le Sacre du Printemps (Ballett, 1913)
Alban Berg - Wozzeck (Oper, 1917-1921)
Leos Janacek - Glagolitische Messe(1926)
Maurice Ravel - Klavierkonzert G-Dur (1929/30)
Béla Bartok - Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta (1936)
Paul Hindemith - Mathis der Maler (Oper, 1938)
Olivier Messiaen - Quatuor pur la fin de temps (Quartett für das Ende der Zeiten, 1941)
Bohuslav Martinu - Symphonie Nr. 2, H 295 (1943)
Viktor Ullman - Hölderlin-Lieder, für Singstimme und Klavier (1943/44)
Aaron Copland - Appalachian Spring (Suite for Orchestra, 1944/45)
Olivier Messiaen - Turangalila-Symphonie (1949)

Neue Musik I

Witold Lutoslawski - Konzert für Orchester (1950-1954)
Dmitri Schostakowitsch - 8. Streichquartett (1960)
György Ligeti - Atmosphères, für Orchester (1961)
Luigi Nono - …. Sofferte onde serene …., für Klavier und Tonband (1975-1977)
Karlheinz Stockhausen - Tierkreiszeichen für verschiedene Instrumente (1975/76)
Hans Werner Henze - Royal Winter Music, für Gitarre solo (1979)
Sofia Gubaidulina - Offertorium (1981)
Younghi Pagh-Paan - Flammzeichen, für Gesang und Schlagzeug (1983)
Helmut Lachenmann - Mouvement (vor der Erstarrung), für Ensemble (1984)
György Ligeti - Etüden für Klavier (1985-1996)
Steve Reich - Different Trains, für Streichquartett oder Streicherensemble und Tonband (1988)

Neue Musik II

Wolfgang Rihm - Kolchis, für Harfe, Klavier, Schlagzeug, Violoncello und Kontrabass (1991)
Adriana Hölszky - Miserere, für Akkordeon (1991/92)
Rebecca Saunders - Into the blue (1996)
Péter Eötvös - Die drei Schwestern (Oper, 1966/97)
Isabel Mundry - Flugsand, für Orchester (1998/2002)
Gérard Grisey - Quatra Chants pour franchir le Seuil, für Gesang, Bläser, Streicher, Schlagzeug und Harfe (1998)
Unsuk Chin - Violinkonzert (2001)
Sofia Gubaidulina - In tempus praesens, Violinkonzert Nr. 2 (2007)


Damit kann man doch wunderbar auf der nächsten Cocktailparty oder beim schnöden Sitznachbarn im Konzert angeben, oder? ;-) Übrigens sollen alle diese Stücke noch in "hervorragenden Einspielungen" zu bekommen sein … fragt mal euren lokalen CD-Dealer und macht bitte ein Foto von seinem erstaunten Gesicht, wenn ihr nach Unsuk Chin oder dergleichen fragt ;-)

TanteLuel


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